Wärmeschutz und Wärmebrücken

Beim Wärmeschutz gibt es zwei getrennte Ebenen, die regelmäßig verwechselt werden: den Mindestwärmeschutz, der ein Bauteil vor Feuchteschäden schützt, und den energiesparenden Wärmeschutz, der den Verbrauch begrenzt. Ein Gebäude kann die Energiebilanz erfüllen und trotzdem an einer Wärmebrücke schimmeln.

Mindestwärmeschutz: der Schimmelschutz

DIN 4108-2 fordert einen Mindestwärmeschutz, der Bauteile vor Tauwasser und Schimmelpilzbildung schützt. Das maßgebliche Kriterium ist der Temperaturfaktor an der Innenoberfläche: Er muss mindestens 0,70 betragen. Bei den normativen Randbedingungen — 20 °C innen, −5 °C außen — entspricht das einer Innenoberflächentemperatur von mindestens 12,6 °C an der kritischen Stelle.

Wärmebrücken

Wärmebrücken sind Stellen mit erhöhtem Wärmeabfluss und damit kälteren Innenoberflächen. Sie sind nie vollständig vermeidbar, aber planbar. Unterschieden wird nach der Ursache:

ArtUrsacheTypische Stellen
geometrischVerhältnis von außen abgebender Fläche zu innerer OberflächeGebäudeecken, Kanten, auskragende Bauteile
stofflich (konstruktiv)Material mit höherer Wärmeleitfähigkeit durchdringt die DämmebeneBetonstürze, Ringanker, Stützen, Befestigungen, Rollladenkästen
kombiniertbeides zusammen — die kritischsten Fälleauskragende Balkonplatte, Deckenauflager in der Außenwand, Attika
ausführungsbedingtAbweichung von der PlanungDämmlücken, Fugen zwischen Dämmplatten, undichte Anschlüsse

Die Detailbetrachtung typischer Anschlüsse und die Frage, wie sie sich instand setzen lassen, finden Sie unter Anschlussdetails und Wärmebrücken.

Energiesparender Wärmeschutz und GEG

Das Gebäudeenergiegesetz regelt die energetischen Anforderungen an Neubau und Bestand einschließlich der Nachweise und der Energieausweise. Es arbeitet mit einer Gesamtbilanz — einzelne Bauteile können schwächer sein, wenn andere Anteile ausgleichen. Genau darin liegt die Lücke: Ein GEG-Nachweis sagt nichts darüber aus, ob an einer bestimmten Stelle Kondensat auftritt. Der Mindestwärmeschutz ist unabhängig davon einzuhalten.

Sommerlicher Wärmeschutz

Die zweite, zunehmend relevante Seite: Überhitzung im Sommer. Auch dafür enthält DIN 4108-2 Anforderungen. Kritisch sind große Glasflächen nach Süden und Westen, Dachgeschosse mit geringer Speichermasse, fehlender außenliegender Sonnenschutz und mangelnde Möglichkeit zur Nachtlüftung. Bei Neubauten und Dachausbauten ist das ein häufiger Streitpunkt, weil sich der Mangel erst im ersten Sommer nach dem Einzug zeigt — dann aber deutlich.

Was ich prüfe

  • Oberflächentemperaturen an kritischen Stellen mit Bestimmung des Temperaturfaktors.
  • Thermografische Aufnahme der Hülle zur Ortung von Dämmlücken und Leckagen.
  • Bauteilaufbauten anhand von Unterlagen, Bauteilöffnung oder Endoskopie.
  • Rechnerische Bewertung von Anschlussdetails, bei Bedarf mit numerischer Betrachtung.
  • Plausibilität vorliegender GEG-Nachweise gegen den tatsächlich gebauten Zustand.
  • Luftdichtheit der Hülle mit Ortung der Leckagestellen.
  • Bewertung geplanter Sanierungen, bevor sie ausgeführt werden.

Häufige Fragen

Der Energieberater sagt, alles ist in Ordnung — trotzdem haben wir Schimmel.

Das ist kein Widerspruch. Der energetische Nachweis betrachtet die Gesamtbilanz, der Schimmelschutz eine einzelne Stelle. Beide Bewertungen können unabhängig voneinander zutreffen.

Nach dem Fenstertausch haben wir Schimmel bekommen. Sind die Fenster schuld?

Die Fenster sind meist nicht mangelhaft, sondern das neue kälteste Bauteil ist ein anderes. Vorher war das Fenster die Schwachstelle und hat unfreiwillig gelüftet und kondensiert. Fehlt nach dem Tausch das Lüftungskonzept, verlagert sich das Kondensat auf die nächstkälteste Fläche.

Lohnt sich Innendämmung?

Sie kann sinnvoll sein, wenn außen nicht gedämmt werden darf, verlangt aber sorgfältige Detailplanung. Die Anschlüsse an Innenwände und Deckenauflager bleiben kalt und werden zur neuen Schwachstelle. Ohne Nachweis der Feuchteverhältnisse ist davon abzuraten.

Kann man den Wärmedurchgang eines Bauteils messen?

Ja, über eine Wärmestrommessung am Bauteil über einen längeren Zeitraum. Das ist aufwendig und braucht ausreichende Temperaturdifferenz, ist aber die belastbarste Methode, wenn der Aufbau unbekannt oder streitig ist.

Nächster Schritt

Schildern Sie den Sachverhalt kurz — gern mit Fotos und vorhandenen Unterlagen. Ich sage Ihnen offen, welche Leistungstiefe sinnvoll ist und ob sich ein Gutachten im konkreten Fall wirtschaftlich lohnt.

Wärmeschutz prüfen lassenAblauf einer Beauftragung

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