WDVS und Fassade

Wärmedämmverbundsysteme funktionieren zuverlässig, wenn Aufbau und Details stimmen. Die typischen Schäden entstehen nicht am Dämmstoff, sondern an den Rändern des Systems: am Sockel, an Öffnungen, an Übergängen und dort, wo nachträglich etwas befestigt wurde.

Schadensschwerpunkte

BereichSchadensbildÜbliche Ursache
Sockelabplatzender Putz, Durchfeuchtung, Frostschäden, Ablösungfalsches Material im Spritzwasserbereich, fehlende Abdichtung, Anschluss ans Gelände zu tief
Öffnungseckendiagonale Risse an Fenster- und Türeckenfehlende oder falsch platzierte Diagonalarmierung, ungünstiger Plattenverband
Flächesichtbare Plattenstöße, Rissbild im Raster, AbzeichnungenVerklebung und Armierung nicht regelgerecht, Stöße im Bereich von Bauteilfugen
BefestigungenFeuchtefahnen und Risse an Konsolen, Markisen, Leuchten, GeländernBefestigung ohne Lastverteilung im System, Durchdringung nicht abgedichtet
OberflächeAlgen- und Pilzbewuchs, gleichmäßig oder in Streifenlange Feuchtezeiten der kühlen Oberfläche, fehlender konstruktiver Schutz
Anschluss an Dach und BalkonDurchfeuchtung im ÜbergangsbereichAnschlusshöhen unterschritten, Abdichtung nicht ans System angebunden

Warum WDVS-Oberflächen veralgen

Das ist kein Materialfehler, sondern eine bauphysikalische Folge. Weil die Dämmung den Wärmestrom von innen unterbindet, bleibt die Putzoberfläche kalt. Sie unterschreitet nachts die Lufttemperatur, es bildet sich Tauwasser, und die Oberfläche bleibt morgens länger feucht als bei einer ungedämmten Wand. Lange Feuchtezeiten sind die Lebensbedingung für Algen. Wirksam sind konstruktive Maßnahmen — ausreichende Dachüberstände, funktionierende Entwässerung, Vermeidung von Bewuchs vor der Fassade — sowie die Wahl des Putzsystems. Biozide Anstriche wirken zeitlich begrenzt und werden ausgewaschen.

Fenster im WDVS — die kritische Zone

Der Übergang von der Dämmebene zum Fensterelement ist die häufigste Schadensstelle einer gedämmten Fassade. Hier treffen Abdichtung, Luftdichtheitsebene, Dämmung und Putzsystem aufeinander, und zwar in der Verantwortung von mindestens drei Gewerken. Typisch sind eine überdämmte, aber nicht angeschlossene Laibung, ein nicht in die Dämmebene eingebundener Blendrahmen und Fensterbankanschlüsse ohne dichte seitliche Verwahrung.

Wie diese Zone bauphysikalisch zu bewerten ist, steht ausführlich unter Anschlussdetails und Wärmebrücken.

Was ich prüfe

  • Systemzugehörigkeit: Wurde ein zugelassenes System eingebaut oder wurden Komponenten gemischt?
  • Verklebung und Befestigung: Klebefläche, Dübelbild, Untergrundvorbereitung.
  • Armierung: Lage im Putzquerschnitt, Überlappungen, Diagonalarmierung an Öffnungen.
  • Sockelausbildung: Material, Abdichtung, Höhenlage gegenüber Gelände und Belag.
  • Anschlüsse an Dach, Balkon, Fenster und angrenzende Bauteile.
  • Nachträgliche Befestigungen und Durchdringungen.
  • Feuchtezustand von Dämmung und Untergrund, bei Verdacht mit Bauteilöffnung.

Häufige Fragen

Meine Fassade hat feine Risse. Muss sie neu gemacht werden?

In der Regel nicht. Entscheidend ist, ob die Risse nur die Oberfläche betreffen oder bis in die Armierungsebene reichen und Wasser in das System eintragen. Das lässt sich am Bauteil feststellen, teils mit kleinen Öffnungen.

Kann ich eine Markise am WDVS befestigen?

Ja, aber nur mit einem für Lasteinleitung im Dämmsystem vorgesehenen Befestigungssystem und mit abgedichteter Durchdringung. Eine Befestigung „durch die Dämmung ins Mauerwerk“ ohne passendes System ist die klassische Schadensursache.

Ist der Dämmstoff nach 20 Jahren am Ende?

Der Dämmstoff selbst ist meist funktionsfähig. Was altert, ist die Oberfläche: Putz, Anstrich, Fugen und Anschlüsse. Eine Instandsetzung der Oberfläche ist deutlich günstiger als eine Neuerstellung — vorausgesetzt, das System ist trocken und haftet.

Nach der Dämmung ist Schimmel in der Wohnung aufgetreten.

Das kommt vor und hat meist zwei Gründe: Die Wand ist dichter geworden, sodass Feuchtelasten nicht mehr über Undichtigkeiten abgeführt werden, oder verbleibende Wärmebrücken sind nach der Dämmung relativ kälter. Zu klären über Oberflächentemperaturen und den Verlauf von Raumluftfeuchte, siehe Feuchteschutz.

Nächster Schritt

Schildern Sie den Sachverhalt kurz — gern mit Fotos und vorhandenen Unterlagen. Ich sage Ihnen offen, welche Leistungstiefe sinnvoll ist und ob sich ein Gutachten im konkreten Fall wirtschaftlich lohnt.

Fassade begutachten lassenAblauf einer Beauftragung

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