Eine Grundschule aus den 1970er Jahren, in den 2010er Jahren energetisch saniert: neue Fenster, Dämmung der Fassade, Erneuerung der Heizkörper. In zwei Klassenräumen im Nordosten trat in den Wintermonaten wiederholt Schimmel in den Außenwandecken auf. Dreimal war fachgerecht saniert worden, dreimal kam der Befall zurück.
Die vorherrschende Erklärung
Der Träger ging von einem Nutzungsproblem aus. Die Argumentation war nachvollziehbar: Klassenräume haben eine hohe Feuchtelast — 25 Personen geben über Atmung und Transpiration erhebliche Mengen Wasserdampf ab —, und nach dem Fenstertausch war das Gebäude dichter als vorher. Also wurde ein Lüftungskonzept ausgegeben: Stoßlüften in jeder Pause, dokumentiert in einem Protokoll.
Das Protokoll wurde geführt. Der Schimmel kam trotzdem wieder. Genau an diesem Punkt lohnt es sich, die Erklärung zu wechseln statt die Maßnahme zu verstärken.
Was die Messung zeigte
Über vier Wochen liefen Datenlogger für Temperatur und relative Luftfeuchte in beiden betroffenen Räumen und in zwei unbelasteten Vergleichsräumen. Zusätzlich wurden Oberflächentemperaturen an den Wandecken erfasst und thermografische Aufnahmen bei ausreichender Temperaturdifferenz angefertigt.
- Die Raumluft war unauffällig. Die relative Feuchte lag im Mittel im unkritischen Bereich und stieg nur während des Unterrichts kurzzeitig an. Das Lüftungsverhalten war also nicht das Problem.
- Die Oberflächentemperatur in den Ecken war es. Sie lag deutlich unter der Temperatur der übrigen Wandfläche und in kalten Nächten unter dem Wert, ab dem an einer Oberfläche über längere Zeit genug Feuchte für Schimmelwachstum verfügbar ist.
- Die Thermografie zeigte ein klares Muster: ein durchlaufender kalter Streifen an der Anschlussstelle von Außenwand und Geschossdecke, in den betroffenen Räumen deutlich stärker ausgeprägt als in den Vergleichsräumen.
Die Ursache
Bei der Fassadendämmung war die auskragende Geschossdecke nicht mitgedämmt worden. Sie wirkte als durchgehende Wärmebrücke, und die Raumecke — wo zwei Außenwände und die kalte Decke zusammentreffen — war der kälteste Punkt des Raums. Solange die Fassade ungedämmt war, verteilte sich die Wärmeverlustfläche und der Effekt fiel nicht auf. Nach der Dämmung war die Ecke der einzige kalte Bereich, und die Feuchte schlug genau dort an.
Warum die Zuordnung so viel Gewicht hatte
Solange der Befall als Lüftungsfehler galt, lag die Verantwortung beim Schulbetrieb: Anweisungen an Lehrkräfte, Protokolle, im Ergebnis eine Belastung des Personals ohne Wirkung. Mit der Feststellung eines Bauteilmangels verschob sich die Frage auf die Ausführung der Sanierung und damit auf mögliche Ansprüche gegen die Beteiligten — eine rechtliche Bewertung, die nicht meine Aufgabe ist, für die aber erst jetzt die technische Grundlage vorlag.
Ebenso wichtig: Die vierte Oberflächensanierung wäre wieder gescheitert. Erst mit der Dämmung des Deckenanschlusses war die Ursache beseitigt.
Was Sie daraus mitnehmen können
- Wiederkehrender Befall an derselben Stelle ist ein Bauteilbefund, kein Nutzungsbefund. Nach der zweiten erfolglosen Sanierung sollte die Ursachenfrage neu gestellt werden.
- Ein Lüftungsprotokoll ist ein Test, nicht eine Lösung. Wird es geführt und der Befall bleibt, hat es die Nutzungshypothese widerlegt — nutzen Sie dieses Ergebnis.
- Ohne Messung bleibt es Meinung. Raumklimadaten und Oberflächentemperaturen trennen Nutzung und Bauteil zuverlässig; Augenschein tut das nicht.
- Nach energetischen Sanierungen die Details prüfen — Deckenanschlüsse, Laibungen, Attiken, auskragende Bauteile. Dort entstehen die neuen Schwachstellen.
- Bei Schulen und Kitas zählt die Nutzungsklasse. Für Räume mit schutzbedürftigen Nutzern gelten strengere Maßstäbe als für Wohnräume, siehe Nutzungsklassen.
Nächster Schritt
Wenn ein Befall in einem Objekt wiederkehrt, ist die Ursachenklärung die günstigste Maßnahme im ganzen Vorgang. Schildern Sie die Situation samt bisheriger Sanierungen — ich sage Ihnen, welche Messungen die Frage beantworten.
Schaden schildernAblauf einer Beauftragung